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Lena Falkenhagen über Patricia Briggs' »Schatten des Wolfes«
Samstag, 22. August 2009 // Mystery
Die phantastikbegeisterte Autorin Lena Falkenhagen, die neben ihren erfolgreichen historischen Romanen (zuletzt erschien »Die Lichtermagd« bei Heyne) auch zahlreiche Publikationen rund um das beliebte deutsche Rollenspiel »Das schwarze Auge« verfasste, hat sich für uns in die Welt von Patricia Briggs' Werwölfen eingelesen - und war fasziniert.
Lest hier ihre Rezension zu »Schatten des Wolfes«.
Schatten des Wolfes
vonLena Falkenhagen
Die Geschichte der Werwölfin Anna beginnt in Alpha und Omega: Anna ist seit drei Jahren eine Werwölfin und wird seit ihrem Wandel von ihrem Rudel brutal unterdrückt. Sie ruft Hilfe von außerhalb, und diese Hilfe erweist sich als Fluch und als Segen zugleich: Charles, Sohn des obersten Werwolfs Nordamerikas und sein Vollstrecker und Attentäter, kommt, um den Alpha-Wolf ihres Rudels zu töten. Gleichzeitig verliebt Anna sich in Charles, und das, obwohl sie gelernt hat, dass man sich vor dominanten Werwölfen besser in Acht nimmt ...
Der Roman Schatten des Wolfes schreibt Annas Geschichte dort fort, wo die Kurzgeschichte aufhört, denn seit Charles nach Chicago gekommen ist, weiß Anna, dass sie eine Omega-Wölfin ist. Sie steht außerhalb der normalen Hierarchie des Rudels und hat immense Kräfte, mit denen sie die blutrünstigen Seelen der Werwölfe um sich herum beruhigen kann. Doch sie hat gelernt, dass diese Eigenschaft gefährlich ist – viele Leute beneiden sie um die Freiheit, die diese Stellung mit sich bringt. Trotzdem begleitet sie Charles in seine Heimatstadt zu seiner Familie – denn sie liebt ihn, und sie weiß nicht, wohin sie sonst gehen soll.
Doch sich in einen dominanten Werwolf zu verlieben ist leichter, als mit ihm zusammen zu leben, besonders, wenn man wie Anna jahrelang behandelt worden ist wie Dreck. Sie will Charles schon verlassen, da erreichen Neuigkeiten über Morde eines ungezähmten Werwolfs die Ohren des Rudels, und das ganz in der Nähe ihrer Heimatstadt.
Als Ermittler und Vollstrecker seines Vaters, des obersten Werwolfs von Nordamerika, wird Charles ausgeschickt, die mordende Bestie zu stellen und zu töten. Doch wenn Anna ihm nicht beisteht, ist er so gut wie tot, und die Identität der Werwölfe wird vielleicht in den Nachrichten enthüllt ...
Patricia Briggs beschreibt wie keine zweite die Entwicklung der Omega-Werwölfin Anna von der geschlagenen und missbrauchten Frau zu einer selbstbestimmten und selbstbewussten Kämpferin. Anna wird in der Kurzgeschichte Alpha und Omega als Underdog präsentiert. In dem Roman Schatten des Wolfs lernt sie, sich in einer feindlichen Umgebung mit außergewöhnlichen Herausforderungen auseinander zu setzen und sich dabei auch noch ein Wertesystem zu schaffen, das sie fortan vertritt – gegen Feinde von Außen, aber auch gegen eine Liebe, die sie sonst zu verschlingen und aufzulösen droht.
Die Autorin beleuchtet bei der Ausgestaltung ihrer Figuren deren Innerstes in allen Facetten. So nimmt die Beziehung zwischen Anna und Charles großen Raum im Roman ein und gipfelt in der Frage, ob zwei so starke Charaktere wirklich nebeneinander und miteinander existieren können – oder ob sie dazu verdammt sind, sich gegenseitig zu ersticken.
Die dramatische Bedrohung der Werwolfsgemeinschaft kann dann auch nur niedergeschlagen werden, wenn Anna und Charles zusammen arbeiten. Sie begegnen dem Feind in einem Kampf um Leben und Tod in der Schneelandschaft von Montana. Schnell verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse, denn der Feind ist einer, gegen den selbst Charles noch nie angetreten ist ...
Die Autorinnen
Patricia Briggs, Jahrgang 1965, wuchs in Montana auf und interessiert sich seit ihrer Kindheit für Phantastisches. So studierte sie neben Geschichte auch Deutsch, denn ihre große Liebe gilt Burgen und Märchen. Neben erfolgreichen und preisgekrönten Fantasy-Romanen wie »Drachenzauber« widmet sie sich ihrer Mystery-Saga um Mercy Thompson. Nach mehreren Umzügen lebt die Autorin heute gemeinsam mit ihrem Mann, drei Kindern und zahlreichen Haustieren in Washington State.
Lena Falkenhagen, geboren 1973 in Celle, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Anglistik als Übersetzerin, Lektorin und Autorin für Fantasy-Rollenspiele. Als Redakteurin Aventuriens gestaltet sie die größte phantastische Rollenspielwelt Deutschlands mit. Nach »Das Mädchen und der Schwarze Tod« ist »Die Lichtermagd« ihr zweiter historischer Roman. Die Autorin lebt in Hannover, wo sie an ihrem dritten Roman arbeitet.

