Christoph Marzi "When the Sailor saw Sunny" - Ein neues Kapitel in der Geschichte der Familie Darcy







Music & Fairytales

ein Interview mit dem Autor von LYRA

Frage: In vielen Ihrer Geschichten spielt die Musik eine herausragende Rolle. Ganz besonders natürlich in LYRA. Wie kommt es dazu?

Antwort: Wenn ich schreibe, dann MUSS ich einfach Musik hören. Die Musik bestimmt zwangsläufig die Stimmung der Szenen, die gerade in meinem Kopf entstehen. Grundsätzlich schreibe ich nie, ohne dass mich ein Klangteppich trägt. Während ich die Emily Laing-Trilogie (LYCIDAS, LILITH und LUMEN) und SOMNIA geschrieben habe, lief fast ausschließlich instrumentale Filmmusik (Danny Elfman, Hans Zimmer, John Williams, Jerry Goldsmith, Klaus Badelt). Bei FABULA gab es dann nur „richtige“ Songs, denn die Handlung war (ein wenig) beschwingter und mehr P.G.Wodehouse-mäßiger als die äußerst düstere Stimmung in der uralten Metropole. Schön ist, dass einige meiner Leser sich auch für die Songs interessieren und so einige der etwas älteren Songs neue Hörer finden (es gibt sogar Leser, die das Autoradio-Orakel anwenden – und es scheint zu funktionieren). Bei LYRA war die Musik natürlich einer der wichtigsten Aspekte überhaupt. Schon lange wollte ich einen Roman schreiben, in dem Songwriter-Songs im Mittelpunkt stehen (eine Art Huldigung meiner persönlichen „Heiligen drei Könige“: Bob Dylan, BAP und Bruce Springsteen - sozusagen). Danny Darcys Geschichte wird viel stärker noch von den Songs getragen, weil die Musik der zündende Funke in Dannys Leben ist. Es ist Dannys Art zu leben – und zu lieben.

Frage: Als besondere Zugabe in LYRA gibt es eine ganze Reihe von englischsprachigen Songtexten. Es sieht so aus, als wäre das Schreiben von Songtexten etwas, das Ihnen ganz besondere Freude bereitet hat.

Antwort: Ich fing mit dem Schreiben der Songtexte an. Danny Darcy drückt seine Gefühle in seiner Musik aus. Insofern sind die Songs kein schmückendes Beiwerk, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Romans. Und, ja, es hat unglaublichen Spaß gemacht, an den Songs zu arbeiten. Ob und wann man die Songs wirklich einmal anhören kann, bleibt abzuwarten (aber ich höre nicht auf, davon zu träumen).

Frage: Bei dieser Gelegenheit sollte man noch erwähnen, dass Sie im letzten Jahr an einem Musical mitgewirkt haben. Wie kam es zu dieser Mitarbeit – und was genau ist Ihr Anteil an PHANTASMA.

Antwort: Vorab – ich mag eigentlich keine Musicals (sieht man von der Filmversion von „Mamma Mia“ und „Elisabeth“ ab). Das, was Frank Nimsgern auf die Bühne bringt, ist eher modernes Musiktheater mit aussagekräftigen Inhalten und vielfältigen Anspielungen auf Theater- und Musikgeschichte, auf Popkultur und Literatur). Als ich LYCIDAS schrieb, gab meine Frau mir die CD zu SNOWHITE – WAS WIRKLICH GESCHAH zum Anhören mit ins Arbeitszimmer und die Stimme von Aino Laos (damals die böse Königin) war maßgeblich an der Gestaltung der Mylady Lilith beteiligt. Später lernte ich Frank und Aino kennen und irgendwann vor zwei Jahren begannen wir, einer Idee von Frank folgend, die Handlung für ein neues Musical zu entwerfen. Gemeinsam mit Aino Laos schrieb ich neun Konzepte, dann führte Frank die OCEAN SUITE in Hamburg auf (ich schrieb derweil SOMNIA und lebte in der Internet-losen Zone), und im Frühjahr 2009 existierte dann ein völlig neues Konzept, das jetzt von Aino Laos und Elmar Ottenthal (der auch die Regie führte) entwickelt worden war. Ich stieß erneut zum Team hinzu und hörte mir die englischsprachigen Songs an. Frank Felicetti hatte eine Reihe von Songtexten ins Deutsche übertragen, die Nachdichtung der restlichen Songs war dann meine Aufgabe. So entstanden „Einst war da ein Herz“, „Big Daddy“, „Ohne Dich“, „Joie de Vivre“ und „Entzünde die Sterne“ (wobei „Ohne Dich“ und „Entzünde die Sterne“ für mich jene Lieder sind, die Lilith für Lycidas in der St. Pauls Kathedrale hätte singen können). Darüber hinaus verfasste ich eine Novelle zum Stück, so dass erstmals eine Kombination aus Buch und Musik auch all denen, die das Stück nicht am Theater sehen können, die Geschichte nahegebracht werden konnte. Im November 2009 hatte PHANTASMA Premiere am Saarländischen Staatstheater und seitdem läuft es dort mit großem Erfolg (und wird, was recht ungewöhnlich ist, wohl in die nächste Winterspielzeit verlängert). Was soll ich sagen? Die eigenen Texte auf der Bühne gesungen zu hören ist ein umwerfendes Gefühl. Und mein Name steht jetzt auf einer CD mit toller Musik. Träume werden nach und nach wahr.

Frage: Noch eine Frage zu Emily Laing und der Uralten Metropole? Viele Ihrer Leser sind neugierig, ob und wann Sie in diese Welt zurückkehren werden? Möchten Sie dazu etwas sagen?

Antwort: Es gibt einige Dinge, die ich über Emily und das, was noch geschehen wird, weiß. Es gibt aber auch genauso viele Dinge, die noch im Verborgenen liegen. Sicher ist, dass ich in den nächsten beiden Jahren (so ist es jedenfalls geplant) nicht in die Welt der uralten Metropolen zurückkehren möchte. Sicher ist aber auch, dass ich es irgendwann wieder tun werde. Ich denke, dass Emily dann ein wenig älter sein wird. Dass die Welt sich ein gutes Stück weitergedreht haben wird. Und es einige wirklich neue Überraschungen geben wird. Bis dahin wird aber noch ein wenig Zeit vergehen. Glaube ich.

Frage: Gibt es Zusammenhänge zwischen der Welt, in der FABULA und LYRA spielen, und der Welt der uralten Metropolen?

Einige findige Leser haben Hinweise entdeckt, die diesen Rückschluss nahe legen. Adam Stewart, der Musiker aus LILITH und LUMEN, lebt nun auf einer wunderschönen Insel im Mittelmeer, wo er seine große Liebe (ein junge Frau namens Siri) gefunden hat (die Kurzgeschichte HUNGRY HEART weiß davon zu berichten) und ist, auch davon wird berichtet, als Vorgruppe einer Band namens Dylan`s Dogs auf Amerika Tour gegangen (oder hat das zumindest geplant). In FABULA wird ein Krankenhaus in London erwähnt, das den Namen Northern Healing trägt (ein ähnliches Krankenhaus gibt es, meines Wissens nach, nur in der Welt der uralten Metropole). Und was die Sirenen mit den Plejaden zu tun haben, mag erst in einer Geschichte, die bisher nur den Arbeitstitel HELEN hat, deutlich werden.

Frage: Ihr neues Buch trägt den geheimnisvollen Arbeitstitel GRIMM. Dürfen wir nach einigen Hinweisen zum Inhalt fragen?

Antwort: In GRIMM geht es um eine junge Frau, deren Welt zusehends aus den Fugen gerät. Die Geschichte spielt in der Gegenwart. In Deutschland. Die Stimmung ist so wie die Songs von Ian Brian O`Docker („The Beginning“) und New Model Army („Vagabonds“) und die Klangteppiche von Danny Elfman und Hans Zimmer (da sind sie wieder). Die Städte sehen so aus, als würde Fritz Lang einen modernen Film in Hamburg und Berlin drehen (mit einem Produktionsdesign von Caspar David Friedrich). Und die Brüder Grimm spielen auch eine Rolle, irgendwie. Musik und Märchen liegen hier eng beieinander. Klingt geheimnisvoll? Gut so. Denn mehr werde ich nicht verraten, nicht hier jedenfalls – und nicht jetzt.

Frage: Wir danken Ihnen für dieses Interview.

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Feature Januar 2009: Christoph Marzi - Schlaflos in »Somnia«
Die Welt der Uralten Metropolen
Website des Autors: www.christophmarzi.de

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Der Autor: Christoph Marzi