Die phantastische Reise der Olga A. Krouk
Ich hätte schon viel früher begreifen sollen, dass man das Leben nicht plotten kann. Immer, wenn ich mir meine nahe Zukunft ganz genau ausgemalt hatte, hielt das Schicksal ein paar überraschende Wendungen für mich parat, die einem Roman hätten entspringen können.
In den 90ern studierte ich Informatik an einem College, in dem viele Fächer auf Deutsch unterrichtet wurden. Dort entdeckte ich meine Liebe zu Deutsch und versuchte, die Fremdsprache so oft wie möglich zu praktizieren. Die beste Gelegenheit dazu boten die Austauschprogramme. Während eines solchen Aufenthalts lernte ich einen jungen Mann aus Berlin kennen, der innerhalb weniger Tage mein Herz gewann. Wir führten eine Fernbeziehung, bis ich das College beendet hatte und zu ihm nach Berlin ziehen konnte. Doch anders als in Liebesromanen gab es kein Happy End - die Beziehung hielt nur drei Jahre.
Das Leben und das Plotten – schon dieser Schritt, der Umzug von meiner Heimatstadt Sankt Petersburg nach Berlin, kam unerwartet. Dass ich danach wieder meinem Herzen folgen und in Schleswig-Holstein landen würde, hätte ich mir niemals vorstellen können. Doch genau so kam es. Durch das Internet – dem ich eigentlich immer sehr skeptisch gegenüber stand – habe ich einen Mann kennengelernt, mit dem ich fast 7 Jahre zusammen bin. Inzwischen sind wir glücklich verheiratet und haben einen süßen Sohn, der uns ordentlich auf Trab hält.
Meinen Wunsch zu schreiben nimmt mein Mann sehr ernst und ohne seine Unterstützung hätte ich es vermutlich niemals so weit geschafft. Als ich in der Anfangszeit für die Wettbewerbe eines Kurzgeschichtenportals geschrieben habe, ließ er mir die nötige Zeit dazu, sagte manchmal sogar die Verwandtschaftsbesuche dafür ab.
Schreiben wollte ich schon immer. Bereits in der 3. Klasse schrieb ich Märchen für meine Mitschüler, in der Pubertät wollte ich unbedingt Weltliteratur à la Tolstoi verfassen und habe mich an einer Inselstory – vermutlich von Daniel Defoe inspiriert – versucht. Die Inselstory war das einzige größere „Werk“, das ich damals wirklich abgeschlossen habe.
Meine Leidenschaft Geschichten zu erfinden, brachte ich natürlich nach Deutschland mit.
Um veröffentlichen zu können, gab es von nun an nur eine Möglichkeit: auf Deutsch schreiben. Vielleicht half mir gerade das zu verstehen, dass man sehr viel lernen muss, um Autor zu werden. Wie in jedem Beruf muss man auch hier sein Handwerk beherrschen.
Das Schreiben in einer Fremdsprache half mir, auf Kritik nicht beleidigt zu reagieren. Schließlich haben auch meine Deutschlehrer immer meine Texte korrigiert.
Als ich „Staub zu Staub“ im Sieben-Verlag veröffentlichte, wagte ich es erstmals, mich als Autorin zu bezeichnen. Mit „Schattenseelen“ gehe ich einen Schritt weiter und nenne mich Schriftstellerin.
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