Christoph Hardebusch,
geboren 1974 in Lüdenscheid, studierte Anglistik und Medienwissenschaft in Marburg und arbeitete anschließend als Texter in einer Werbeagentur. Sein großes Interesse an Fantasy und Geschichte führte ihn schließlich zum Schreiben. Mit »Die Trolle« und den Nachfolgern »Die Schlacht der Trolle« und »Der Zorn der Trolle« stand er monatelang auf allen Bestsellerlisten. Seine phantastischen Abenteuer »Sturmwelten« und »Sturmwelten – Unter schwarzen Segeln« entführen die Leser in die magische Welt sturmumtoster Gewässer und geheimnisvoller Schiffe. Christoph Hardebusch lebt als freischaffender Autor in Heidelberg.
Werkstattbericht »Die Werwölfe«
Als ich mit der Arbeit an »Die Werwölfe« begann, war mir bewusst, dass es zwischen diesem Roman und meinen bisherigen Veröffentlichungen einen deutlichen Unterschied gibt. Ich hatte mir als Hintergrund das beginnende 19. Jahrhundert ausgesucht, da ich einige von mir geschätzte historische Persönlichkeiten im Buch auftauchen lassen wollte. Während meine anderen Bücher reine Fantasy - in selbst erdachten und ausgearbeiteten Welten angesiedelt - sind, spielt »Die Werwölfe« nicht nur in unserer Welt, sondern noch dazu in einer anderen Epoche. Während die großen Fragen auch in der Fantasy wichtig sind, und man sehr breit gefächert recherchieren muss, um eine stimmige Welt zu erschaffen, steckt der Teufel bei Projekten wie »Die Werwölfe« vor allem im Detail. Wie sah Genf 1816 aus? Mit welcher Art von Kutsche fuhr man? Wurde viel gereist, und wenn ja, wie? Zudem galt es natürlich, den historischen Personen angemessene Auftritte zukommen zu lassen.

Die grundlegende Recherche nahm dementsprechend einen großen Teil der Arbeit ein. Auf und neben meinem Schreibtisch stapelten sich Bücher über Politik, Mode, Kultur und Geschichte, dazu Werke der auftretenden Personen und einige Auto- und sonstige Biographien. Zum Glück hatte ich mir ein literarisches Zeitalter als Hintergrund ausgewählt.
Dazu wird in dem Roman viel gereist; praktisch quer durch Europa und wieder zurück. Auch hier war es mir wichtig, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum heutigen Reisen auszuarbeiten.
Zu guter letzt gibt es natürlich einen phantastischen Aspekt, der ausgestaltet werden musste. Ein mythologischer Überbau war die erste und leichteste Arbeit. Dann kamen die Detailfragen zu Werwölfen und anderen Kreaturen, die in der vorindustriellen Zeit von der Menschheit vergessen wurden. Was macht einen Werwolf aus, außer der Fähigkeit, sich zu verwandeln? Wie wird man zum Werwolf? Und wenn es Werwölfe gibt, was ist dann mit Magie, Vampiren, Geistern und Dämonen?
Einige von diesen mystischen Gestalten wollte ich gern in den Roman einbauen, andere erschienen mir letztlich jedoch weniger passend, und mussten so folglich draußen bleiben.
Am Anfang allerdings stand die Idee zum Roman. Ich wollte nach fünf Fantasybüchern etwas Abwechslung in meinem Schreiben. Bei den umfangreichen Recherchen zu »Sturmwelten«, dem Auftaktband der nautischen Trilogie, reifte in mir der Entschluss, einen Roman in der Epoche anzusiedeln, die ich mir als Vorlage für die Sturmwelten-Bücher gewählt hatte. Ich wollte der Phantastik aber nicht ganz abhold werden, und mir war schnell bewusst, dass der Roman in die Kategorie fallen sollte, die aktuell »Mystery« heißt. Da die Schwarze Romantik ihren Ursprung Ende des 18. Jahrhunderts hatte, und besonders die Gothic Novel deutlichen Einfluss auf die Phantastik genommen hat, wollte ich Elemente derselben für den Roman übernehmen. Ein Teil des Figurenpersonals sollte von Personen der Geschichte gestellt werden, besonders von Literaten dieser Epoche, über die zu recherchieren mir große Freude machte. Und ich habe manche Erzählung und manches Gedicht aus der Feder von Byron oder den Shelley wieder oder neu entdeckt.
Damit standen sehr früh die Zeit und einige der handelnden Personen fest, ebenso wie die grundlegende Idee des Romans. Daraus und dazu musste allerdings noch eine Geschichte entwickelt werden.
Werwölfe werden ja mittlerweile recht unterschiedlich dargestellt. Eine klassische Interpretation ist der getriebene Menschwolf, der bei Vollmond seiner animalischen Seite unterworfen ist. Allerdings gibt es auch Werwölfe, die deutlich positiver gezeichnet werden, als Beschützer der Natur beispielsweise, oder als Gestaltwandler mit eigener Historie abseits der Menschheit. Für meinen Roman wollte ich mehrere Elemente vereinigen. Die unkontrollierte Bestie des Horrorfilms und den modernen, urbanen Werwolf.
In den klassischen Geschichten wird der Protagonist oft unfreiwillig zum Werwolf, ohne es zunächst zu ahnen, während man als Leser schon die Anzeichen sieht und deuten kann. Das ist für mich ein zentraler Aspekt, den ich bei meinem eigenen Werwolf-Roman natürlich nicht ignorieren konnte.
Dazu kommen die zahlreichen Legenden über Gestaltwandler und Lykanthropen, die es in vielen Kulturkreisen und zu vielen Zeiten gegeben hat. Auch hierbei kann ich nur empfehlen, sich ein wenig einzulesen – die Berichte sind faszinierend! Selbstverständlich fußen viele moderne Darstellungen des Werwolfs genau auf diesen Legenden, aber es war sehr lohnenswert, sie selbst noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, und sie in meine eigene Welt des beginnenden 19. Jahrhunderts zu integrieren.
Die Arbeit am Roman war eine intensive Zeit, aber es hat sich für mich sehr gelohnt. Und inzwischen höre ich das Heulen der Wölfe nur noch selten, wenn ich nachts wach liege, und den Mond anstarre.
Dieser Text erschien bereits unter der Rubrik »Magische Schreibwerkstatt« in der Zeitschrift Nautilus – Abenteuer & Phantastik Nr. 67, Oktober 2009 – hier die Online-Vorschau.
Die Fantasy-Welten des Christoph Hardebusch
Mehr über die phantastischen Welten von Christoph Hardebusch erfahrt Ihr auf der Fantasy-Seite des Autors, und ein Audio-Podcast zu seiner Troll-Saga gibt es auf der Feature-Seite von Heyne Magische Bestseller.
Links
Mehr über Christoph Hardebusch und seine Bücher auf: www.hardebusch.net
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